"Alte Kämpfer"

Besondere Privilegien genossen im Reich die so genannten Alten Kämpfer, auch als Alte Garde bezeichnet. Dies waren Parteimitglieder, die schon vor Hitlers Machtergreifung von 1933 der Partei beigetreten waren und eine Mitgliedsnummer unter 100.000 besaßen. Die Mitgliedsnummer 100.000 wurde im Jahr 1928 vergeben. Mitglieder, die ihre Mitgliedschaft nicht unterbrochen hatten, bekamen auf Antrag das so genannte Goldene Parteiabzeichen verliehen. Laut Parteistatistik gab es am 1. Mai 1935 genau 22.282 Träger dieser Auszeichnung (Quelle: H.-J. und G. Wohlfromm, „Und morgen gibt es Hitlerwetter!“, Alltägliches und Kurioses aus dem Dritten Reich, Anaconda Verlag, Köln, 2017, ISBN 978-3-7306-0517-2. S. 153)

Ab 1933 wurden Alte Kämpfer „bei der Vergabe von Arbeitsplätzen oder sozialen Vergünstigungen“ wie dem ,Adolf-Hitler-Dank“ bevorzugt behandelt. Als Zeichen seines Dankes soll Hitler zum Beispiel am „Vorabend von Jahresfeiern zum Hitlerputsch von 1923“ jeweils eine Auswahl Alter Kämpfer in den Münchner Bürgerbräukeller eingeladen haben.

(Quelle: Hrsg. W. Benz/ H. Graml/ H. Weiß, Enzyklopädie des Nationalsozialismus, dtv, 1997, ISBN 3-608-91805-1, S. 358)

Bewährungsbataillon 999

Dieses Bataillon, auch als Strafbataillon 999 bezeichnet, rekrutierte sich aus so genannten „bedingt Wehrunwürdigen“, das waren Wehrpflichtige, denen die so genannte Wehrwürdigkeit aberkannt worden war, ferner aus so genannten „,Kriegstätern‘ und Personen, die wegen politischer und krimineller Straftaten verurteilt worden waren“. Auch KZ-Häftlinge gehörten zu den etwa 30.000 Eingezogenen, die auf dem Truppenübungsplatz Heuberg, später Baumholder, „unter teils KZ-ähnlichen Bedingungen ausgebildet" wurden. Nach ihrer Ausbildung kämpften diese Soldaten an „allen Fronten“, ihre Einheiten galten aber als politisch unzuverlässig, weil viele zu desertieren versuchten. Ab September 1944 wurde die Ersatz-Brigade 999 aufgelöst und die Mannschaften auf andere Wehrmachtsverbände, zum Beispiel auch auf Strafanstalten und Konzentrationslager, verteilt.

(Quelle: Hrsg. W. Benz/ H. Graml/ H. Weiß, Enzyklopädie des Nationalsozialismus, dtv, 1997, ISBN 3-608-91805-1, S. 397f).

„Cap Arcona“, „Thielbek“

Die Cap Arcona, 1927 gebaut und anfänglich für Luxusreisende und Auswanderer nach Argentinien eingesetzt, diente ab 1940 als Hilfsbeischiff der deutschen Kriegsmarine in der Ostsee, wo sie auch Flüchtlinge aus dem Osten evakuierte. Im April 1945 lag sie wegen eines Maschinenschadens manövrierunfähig vor Neustadt/ Holstein. Von der Kriegsmarine ausgemustert, wurde das Schiff dem Hamburger Gauleiter Karl Kaufmann (1900 - 1969) unterstellt. Vor den anrückenden britischen Truppen wurden die verbliebenen Häftlinge aus dem KZ Neuengamme bei Hamburg Ende April 1945 nach Lübeck transportiert. Mehr als 9.000 Häftlinge kamen auf kleinere beschädigte Schiffe, die dort vor Anker lagen. Am 26. April kamen 2.500 Häftlinge aus Neuengamme und anderen Lagern in Lübeck an und wurden auf die Cap Arcona gebracht. Die meisten, die auf diese Weise in der Neustadter Bucht festgehalten wurden, waren unter „Deck eingepfercht, ohne Essen, Wasser oder frischer Luft. … An jedem Morgen mussten die Verstorbenen mithilfe von Stricken auf Deck gezogen werden. Der Kapitän des Schiffes kritisierte das Risiko der Mission, führte den Befehl aber aus, um der eigenen Erschießung zu entgehen“.

Der Großangriff alliierter Flieger der Royal Air Force am 3. Mai 1945 galt den vielen Schiffen, die in der Kieler- und in der Lübeckerbucht lagen. Dabei wurden 23 Schiffe versenkt und 115 Schiffe beschädigt. Die Cap Arcona, die in Brand geschossen wurde, legte sich zur Seite, aufgrund der geringen Wassertiefe sank sie aber nicht. Etwa 6.400 der rund 7.000 KZ-Insassen der Cap Arcona und der „Thielbek“ verbrannten, ertranken oder wurden von anderen Booten aus erschossen. Nur ein geringer Teil der Häftlinge konnte von Booten aufgenommen werden, die sich vorrangig um die Rettung der Marineangehörigen bemüht hatten.  

Ob die nationalsozialistischen Bewacher von Anfang an geplant hatten, die Schiffe mit allen Gefangenen an Bord in der Ostsee zu versenken oder ob sie den Alliierten eine Falle zur Vernichtung der Häftlinge stellten, um die geplante Vernichtung schuldlos erreichen zu können, konnte bis heute nicht eindeutig geklärt werden

(Quelle: N. Wachsmann, KL- Die Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Siedler-Verlag, München, 2015, ISBN 978-3-88680-827-4, S. 672)

DAF


Die DAF (Deutsche Arbeitsfront) mit ihrer NS-Gemeinschaft KdF (Kraft durch Freude) war der NSDAP angeschlossen, galt als größte NS-Massenorganisation und war für alle arbeitenden Deutschen zutändig. Die Aufgaben der DAF beschränkten sich unter anderem „auf die allgemeine Betreuung und weltanschauliche Schulung ihrer Mitglieder“. Der DAF waren auch Wirtschaftsunternehmen wie etwa Wohnungsbau- und Siedlungsgesellschaften, Banken und Werften, angegliedert. Auch deshalb konnte sich diese Organisation „zu einem wichtigen Faktor des deutschen Wirtschaftslebens“ entwickeln. Im Jahr 1939 hielten zum Beispiel 44.000 hauptamtlich und 1,3 Millionen ehrenamtlich tätige DAF-Funktionäre „einen immer weiter ausufernden Funktionärskörper“ am Laufen.

Mit verschiedenen Ämtern und Untergliederungen wie zum Beispiel dem Amt für Berufserziehung und der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ schaffte es die DAF, ihre „Kompetenzforderungen zu untermauern“ - und auch mit ihren überzeugenden Konzepten staatliche Behörden unter Druck zu setzen. KdF-Aktivitäten wie etwa Reisen bis nach Madeira oder Norwegen, Theater und Kunstausstellungen, sollten der Entspannung, aber auch der Regeneration der Arbeitskraft dienen, um so Arbeits- und Produktionsleistungen zu erhöhen. Es entstand „ein dichtes Netz der Betreuung und Kontrolle, das die gesamte Bevölkerung im Beruf wie in der Freizeit“ erfasste.

(Quelle: Hrsg. W. Benz/ H. Graml/ H. Weiß, Enzyklopädie des Nationalsozialismus, dtv, 1997, ISBN 3-608-91805-1, S. 449/ 551)



Entnazifizierung

Im Rahmen des Gesetzes Nr. 104 „zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus vom 5. März 1946“ übertrug die Militärregierung der US-Zone die Entnazifizieurng an deutsche Laiengerichte, die Spruchkammern. Diese waren mit Laienrichtern und unbelasteten Juristen besetzt. In einem gerichtsähnlichen Verfahren mussten die Spruchkammern aber nicht die Schuld, sondern die Angeklagten ihre Unschuld, beweisen. Da hier die Betroffenen „die Schuldvermutung durch Beweismittel zu entkräften“ hatten, ließen sich viele Betroffene in ihrem sozialen Umfeld schriftliche Entlastungszeugnisse, so genannte Persilscheine, ausstellen. In der Mitte der Gesellschaft entwickelte sich so ein System gegenseitiger Entlastung. Am Ende eines Verfahrens stufte die Spruchkammer jeden Betroffenen in eine von fünf Kategorien ein:

1. Hauptschuldige (Kriegsverbrecher)
2. Belastete (Aktivisten, Militaristen)
3. Minderbelastete (Bewährungsgruppe)
4. Mitläufer
5. Entlastete“. Sie waren nicht vom Gesetz betroffen

(Quelle: NS-Dokumentationszenztrum München, 2019)

 

"Gestapo" (Geheime Staatspolizei)

Die Gestapo entstand 1933 in Preußen aus der politischen Abteilung des Berliner Polizeipräsidiums. Seit 1934 wurde die Gestapo von Heinrich Himmler geleitet, unter dessen Führung sie 1936 zentralisiert wurde. Die Gestapo war das wichtigste Instrument der NS-Führung zur Bekämpfung des politischen Widerstands. Ein Netz von Gestapo-Stellen überzog das ganze Deutsche Reich. Bis Mitte der 1930er Jahre konnte die Gestapo vor allem durch den Einsatz von Spitzeln weite Teile des Widerstandes aus der Arbeiterbewegung aufdecken. 1936 wurde die Gestapo zusammen mit der Kriminalpolizei als Sicherheitspolizei unter der Führung von Reinhard Heidrich zusammengefasst und 1939 als Amt IV des Reichssicherheitshauptamtes neu gegliedert. Die Gestapo setzte in den Kriegsjahren große Sonderkommissionen zur Aufklärung des Münchner Bürgerbräu-Attentats vom November 1939 gegen die Rote Kapelle und nach dem 20. Juli 1944 ein. Zugleich war die Gestapo führend an den nationalsozialistischen Gewaltverbrechen in allen deutschen besetzten Gebieten beteiligt.

(Quelle: Hrgb.: Steinbach, Tuchel, Lexikon des Widerstandes 1933 - 1945, Verlag C.H. Beck, München, 1994, ISBN 3 406 37451 4, S. 66)

"Heimatfront"

Dies war ein Propagandabegriff für die in der Heimat Zurückgebliebenen. Dem gegenüber standen die an der Front kämpfenden Truppen. Für Hitler spielte dieser Begriff eine wichtige Rolle, weil im weiteren Kriegsverlauf „an allen Fronten gekämpft“ werden musste, an der Heimatfront eben auch in Form von Arbeitseinsätzen wie zum Beispiel in der Waffenproduktion und dem Verschicken von Päckchen für die Soldaten im Felde.

(Quelle: Hrsg. W. Benz/ H. Graml/ H. Weiß, Enzyklopädie des Nationalsozialismus, dtv, 1997, ISBN 3-608-91805-1, S. 506)

Hitlerjugend

Die Jugendorganisation der NSDAP entwickelte sich ab 1933 zum staatlichen Jugendverband. Ihr Prinzip, dass Jugend durch Jugend geführt werden soll, „trug zur Anziehungskraft der Organisation bei, deren praktische Aufgabe die politische Schulung und körperliche Ertüchtigung der 14 – 18- Jahre alten Jungen war. Auch die Mädchen-Gruppen mit ihren BDM-Führerinnen waren im Bund Deutscher Mädel (BDM) an die HJ angeschlossen. Etwa 15 Mitglieder gehörten zu einer Kameradschaft, vier Kameradschaften bildeten eine Schar, vier Scharen eine Gefolgschaft, bis zu fünf Gefolgschaften einen Stamm, bis zu acht Stämme einen Bann, bis zu dreißig Banne ein Gebiet und so weiter. An der Spitze stand die Reichsjugendführung mit dem Reichsjugendführer beziehungsweise der BDM-Reichsreferendin.

Die HJ war uniformiert, neben sozialen und landwirtschaftlichen Aufgaben wurde vieles gesammelt, von Altmetall über Kartoffelkäfer bis zu Kleidungsspenden. Die verschiedenen Sondereinheiten wie zum Beispiel Marine-, Motor-, Flieger- und Nachrichten-HJ waren oft beliebter als die Stamm-HJ, „weil hier die individuellen Interessen der Jugendlichen stärker zur Geltung kamen“. Die HJ wurde auch im Zweiten Weltkrieg eingesetzt: „Unzureichend und ohne Kampferfahrung erlitt die ,Panzerdivision Hitler-Jugend‘, deren Soldaten teilweise noch nicht das 17. Lebensjahr erreicht hatten, vor allem in der Normandie im Sommer 1944 große Verluste, bis sie sich mit wenigen Überlebenden im Mai 1945 den US-Streitkräften ergab.“

(Quelle: Hrsg. W. Benz/ H. Graml/ H. Weiß, Enzyklopädie des Nationalsozialismus, dtv, 1997, ISBN 3-608-91805-1, S. 513f)

KdF

Die NS-Gemeinschaft KdF (Kraft durch Freude) war eine Untergliederung der DAF. Mit dieser und zum Beispiel auch mit dem Amt für Berufserziehung schaffte es die DAF, ihre „Kompetenzforderungen zu untermauern“ und mit ihren überzeugenden Konzepten staatliche Behörden unter Druck zu setzen. KdF-Aktivitäten wie etwa Reisen bis nach Madeira oder Norwegen, Theater und Kunstausstellungen, sollten der Entspannung, aber auch der Regeneration der Arbeitskraft dienen, um so Arbeits- und Produktionsleistungen zu erhöhen. Es entstand „ein dichtes Netz der Betreuung und Kontrolle, das die gesamte Bevölkerung im Beruf wie in der Freizeit“ erfasste.

(Quelle: Hrsg. W. Benz/ H. Graml/ H. Weiß, Enzyklopädie des Nationalsozialismus, dtv, 1997, ISBN 3-608-91805-1Enz. S. 449/ 551)

Kreisstab, Kreisleiter

Der Kreis als Gebietseinheit, unterhalb des Gaues angeordnet, „entsprach meist der kommunalen Verwaltungseinheit“ und wurde vom so genannten Kreisleiter geführt. Ihm unterstanden die so genannten Ortsgruppenleiter und Verwaltungsmitarbeiter, die als so genannter Kreisstab fachliche Aufgaben, die der Kreisleiter in Auftrag gab, zu bearbeiten hatten.

(Quelle: Hrsg. W. Benz/ H. Graml/ H. Weiß, Enzyklopädie des Nationalsozialismus, dtv, 1997, ISBN 3-608-91805-1, S. 551)

 

KZ Bergen-Belsen

Ein Teil des KZs Bergen-Belsen im Kreis Celle diente vor allem als so genanntes Aufenthaltslager für so genannte Austauschjuden, die gegen deutsche Zivilinternierte im Ausland ausgetauscht werden sollten. Später kamen ein Männer- und ein Frauenlager für kranke und arbeitsunfähige Häftlinge aus anderen KZs hinzu. Im März 1944 wurden weitere Zehntausende Häftlinge aus frontnahen KZs nach Bergen-Belsen verlegt. Sie kamen unter anderem aus dem KZ Sachsenhausen und den Außenlagern von Buchenwald. Diese Gefangenen waren in anderen Lagern als „nicht mehr arbeitsfähig“ ausgesondert worden. Es fehlte an ausreichender ärztlicher Hilfe und angemessener Verpflegung, um die aufgenommenen Kranken gesundheitlich wieder herzustellen. Weder Trinkwasserleitungen  noch Waschgelegenheiten waren vorhanden. Seuchen brachen aus, zuletzt gab es kein Essen mehr. Bis zur Befreiung des Lagers am 15. April 1945 durch britische Truppen starben dort mindestens 52.000 Häftlinge aufgrund ihrer Haftbedingungen.

(Quelle:  Gedenkstätte KZ Bergen-Belsen, 2016)

KZ Buchenwald

Das KZ Buchenwald auf dem Ettersberg bei Weimar war zunächst für politische Gegner des Naziregimes, vorbestrafte Kriminelle und so genannte Asoziale bestimmt. Diese so genannten „Gemeinschaftsfremden“ sollten dauerhaft aus dem deutschen „Volkskörper“ ausgeschlossen werden. Das Lager für die so genannte Schutzhaft war von einem drei Kilometer langen und drei Meter hohen Stacheldrahtzaun, einem Elektrozaun und von 22 mit Maschinengewehren ausgerüsteten Wachtürmen umgeben. Die Häftlinge waren in 34 Holzbaracken und 16 Steinbaracken untergebracht.

Ab Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden dort zunehmend Menschen aus anderen Ländern inhaftiert. Vor allem nach 1943 wurden im KZ Buchenwald und in seinen 136 Außenlagern KZ-Häftlinge rücksichtslos für die Rüstungsindustrie ausgebeutet. Daher war dieses KZ kein Vernichtungslager mit industrieller Vernichtung wie die großen Konzentrationslager in Polen. Trotzdem wurden viele Gefangene von der SS ermordet oder starben an Entkräftung aufgrund von unmenschlichen Arbeits- und Lagerbedingungen. Kurz vor der Befreiung schickte die SS zur Räumung des Lagers 28.000 Häftlinge auf Todesmärsche. Etwa 21.000 Inhaftierte blieben bis zum Schluss im Lager, das am 11. April 1945 von US-Einheiten befreit wurde.

(Quelle: Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, 2012)

KZ Mauthausen

Das KZ Mauthausen war das größte deutsche KZ der Nationalsozialisten auf dem Gebiet Österreichs. Im Mai 1938 hatte die SS den Steinbruch Mauthausen in Betrieb genommen und ab März 1939 zu einem selbstständigen Lager erweitert. Aus nicht bekannten Gründen war dies das einzigste KZ der Kategorie III auf dem Gebiet des Reiches. Kategorie III bedeutete: Vernichtung durch Arbeit. Wörtlich hieß dies in einem Erlass von Reinhard Heydrich (1904 – 1942 Attentat), dem Chef der Sicherheitspolizei, die Lagerstufe III sei „... für schwerbelastete, unverbesserliche und gleichzeitig kriminell vorbestrafte und asoziale, das heißt, kaum noch erziehbare Schutzhäftlinge Mauthausens“. Insgesamt waren hier fast 200.000 Gefangene inhaftiert, von denen ungefähr die Hälfte ermordet wurde, beziehungsweise starb.

(Quelle: Gedenkstätte Mauthausen, 2016)

 

Luftschutz; Reichsluftschutzbund (RLB)

Die ehrenamtlich tätigen Luftschutzwarte, die eine spezielle Schulung erhielten, waren an der so genannten Heimatfront für die Schutzmaßnahmen vor/ während/ nach Bombenangriffen der Alliierten zuständig. Zu den Schutzmaßnahmen zählten unter anderem die Verdunkelung der Fenster, Hilfe bei Fliegeralarm, Brandbekämpfung und Räumungsmaßnahmen nach Luftangriffen. „Bei der Zunahme der Bombenangriffe nach 1942 stellte sich … die relative Wirkungslosigkeit der Maßnahmen im modernen Luftkrieg heraus“.

(Quelle: Hrsg. W. Benz/ H. Graml/ H. Weiß, Enzyklopädie des Nationalsozialismus,dtv, 1997, ISBN 3-608-91805-1, S. 575)

"Märzgefallene"

Als so genannte Märzgefallene oder Märzveilchen wurden die mehr als eine Millionen neuen Parteimitglieder, die direkt nach der Märzwahl von 1933 aus „Karrieregründen, Opportunismus oder Glücksrittertum der NSDAP beigetreten waren, von den Alten Kämpfern verspottet. Allerdings kam es nicht im März, sondern im Mai 1933 zu der oben beschriebenen Eintrittswelle“ in die NSDAP. In „Heerscharen“ sollen die Deutschen zur Partei „geeilt“ sein, nachdem diese Regierungspartei geworden war.

(Quelle: Hrgb. W. Benz, Wie wurde man Parteigenosse? Die NSDAP und ihre Mitglieder, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/ M., 2009, ISBN 978-3-596-18068-4, S. 7; 70f ).

 

Mutterkreuz

Im Jahr 1938 stiftete Hitler das "Ehrenkreuz der Deutschen Mutter". Es wurde allen reichsdeutschen Müttern mit vier und mehr Kindern verliehen, deren Kinder als "arisch" und "erbgesund" galten. Das Mutterkreuz musste beantragt werden, es konnte bei "rasseideologischen Mängeln", beziehungsweise bei so genannter Unwürdigkeit auch wieder entzogen werden. Mütter von vier und fünf Kindern wurden mit dem Mutterkreuz in Bronze und Mütter von sechs und sieben Kindern mit dem Mutterkreuz in Silber belohnt. Das Goldene Mutterkreuz erhielten Mütter mit acht und mehr Kindern verliehen. Hitler war davon überzeugt, dass die "deutsche kinderreiche Mutter ,im Geburtenkrieg' den gleichen Einsatz von Leib und Leben" zeige wie "Frontsoldaten im Donner der Schlachten". (Quelle: Hrgb.: Benz/ Graml/ Weiß, Enzyklopädie des Nationalsozialismus, dtv, 1997, ISBN 3 608 91805 1, S. 591)

NSF

Die NSF, nationalsozialistische Frauenschaft, im Oktober 1931 gegründet, wurde reichsweit ab 1935 „... als Gliederung der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei (NSDAP) in die Partei integriert“ (1/222).  Wie die gesamte NSDAP war die NSF organisatorisch vom Gau bis hinunter in die Blöcke hierarchisch gegliedert“ (1/222). An der Spitze der NSF stand seit 1934 die Reichsfrauenführerin Gertrud Scholtz-Klink (1902 – 1999) (3/31). Zur Aufgabe der Frauenschaft gehörte die ideologische und praktische Erziehung „der Frauen im Sinne des Nationalsozialismus“ (1/222). Um „die Ansprüche der Rassen- und Bevölkerungspolitik zu erfüllen“, bot die Frauenschaft gezielt Kurse und Seminare an, die auf die häusliche und familiäre Welt der Frauen abgestimmt waren. Von 1934 – 1938 nahmen im Deutschen Reich zum Beispiel etwa 1,2 Millionen Frauen an entsprechenden Schulungen teil. Themen dieser Kurse waren unter anderem Haushalt, Gesundheit, Erziehung und Brauchtum (2/618).

NS-Frauenschaftsleiterinnen, die im Jahr 1938 zum Beispiel Schulungen und Sammlungen in Nürtingen organisierten, waren Frau Truckenmüller (Vorname unbekannt) auf Kreisebene, für die Nürtinger Ortsgruppe Nord Thekla G. (1/215) und für die Ortsgruppe Süd Marie V. (1/215).  

Quellen

1. Hrsg. R. Tietzen, Nürtingen 1918 – 1950, Verlag Sindlinger-Burchartz, Nürtingen/ Frickenhausen, 2011, ISBN 978-3-928812-58-0      

2. Hrsgb. W. Benz/ H. Graml/ H. Weiß, Enzyklopädie des Nationalsozialismus, dtv, 1997, ISBN 3-608-91805-1      

3. Hrsgb. W. Benz, Wie wurde man Parteigenosse? Die NSDAP und ihre Mitglieder, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/ M., 2009, ISBN 978-3-596-18068-4

 

NSLB

Der nationalsozialistische Lehrerbund wurde 1929 gegründet und war ein „Zusammenschluss der deutschen Erzieher ohne Rücksicht auf Schulart und Vorbildung … Seine Aufgabe“ bestand in der „weltanschaulich-politischen Ausrichtung der Erzieher, der Mitarbeit an der Neuordnung des Schulwesens und der fachlichen Schulung und Fortbildung … auf der Grundlage der nationalsozialistischen Weltanschauung“.

Quelle: Hrsg. W. Benz/ H. Graml/ H. Weiß, Enzyklopädie des Nationalsozialismus, dtv, 1997, ISBN 3-608-91805-1, S. 608

NSV

Die NSV, Nationalsozialistische Volkswohlfahrt, war die bekannteste NS-Massenorganisation, die sich ab 1933 „zu einer reichsweiten, ständig expandierenden Wohlfahrtseinrichtung“ entwickelte. Schon vor der Machtergreifung hatte sich die NSDAP um „verarmte Volksgenossen“ bemüht. Ab Mai 1933 ließ Hitler die NS-Wohlfahrt einrichten, die „für alle Fragen der Fürsorge zuständig sein sollte“. Aber nur „rassisch wertvolle“ Bedürftige wurden unterstützt, alle anderen wie so genannte „Minderwertige und Asoziale“ mussten sich an die öffentliche Fürsorge wenden. Die NSV leistete „Dienst am Volk, nicht am Individuum“, ihr Schwerpunkt war die so genannte nationalsozialistische Volksgemeinschaft (1).

Die Hilfen wurden als „Erziehung zur Selbsthilfe“ geleistet und „sollten einen möglichst hohen Leistungsstand des deutschen Volkes sichern“. Bis 1944 entwickelte sich die NSV zum „Alleinigen Träger der Volkspflege“ mit ihren Leistungen wie etwa für Gesundheit, Kinder- und Jugendpflege und Bahnhofsbetreuung, „wobei stationäre Betreuung immer auch zu politischer Schulung genutzt wurde“ (2). 

Quellen:

1. Hrsg. W. Benz/ H. Graml/ H. Weiß, Enzyklopädie des Nationalsozialismus, dtv, 1997, ISBN 3-608-91805-1, S. 619

2. F. Bedürftig, Taschenlexikon Drittes Reich, Piper Verlag, München, 1998, ISBN 3-492-22369-9, S. 242

NSV-Hilfswerk Mutter und Kind

Das Hilfswerk Mutter und Kind, das schon 1934 gegründet wurde, war wie auch das Winterhilfswerk (WHW) und die Kinderlandverschickung, der NSV angegliedert. Es unterstützte und betreute „hilfsbedürftige Familien, die zuvor unter rassischen Gesichtspunkten ausgewählt“ worden waren. So erhielten zum Beispiel kinderreiche Familien Wohnungshilfe und medizinische Versorgung, auch Kinderbetreuung. Finanziert wurden all diese Angebote über Spenden, Beiträge und Sammlungen.

(Quelle: Hrsg. W. Benz/ H. Graml/ H. Weiß, Enzyklopädie des Nationalsozialismus, dtv, 1997, ISBN 3-608-91805-1, S. 510)

Ortsgruppe

Die Parteileitung bestimmte schon in einer im Juli 1921 beschlossenen Satzung, dass sich die NSDAP in lokale Ortgruppen zu gliedern habe und dass für die „Leitung der einzelnen Ortsgruppen der 1. Ortsgruppen-Vorsitzende verantwortlich sei“. Wurde eine Ortsgruppe zu groß, konnte die Ortsgruppe in Sektionen aufgeteilt werden. (1 S. 29) So gab es in Nürtingen drei Ortsgruppen: Nord, Süd und Oberensingen. Ab Ende 1933 nannten sich  die Ortsgruppenfunktionäre und die Parteimitglieder, die die Blocks und Zellen betreuten, „Politische Leiter“. Seitdem führten sie die Bezeichnung „Leiter“ in ihrem Amtstitel (1 S. 68) wie zum Beispiel Ortsgruppenleiter, Zellenleiter, Blockleiter. Als ab 1934 aufgrund von Umstrukturierungsmaßnahmen die Anforderungen an die Ortsgruppenleiter wuchsen, wurden zur ihrer Entlastung so genannte Ortsgruppenorganisationsleiter eingesetzt. Mit steigenden Mitgliederzahlen wurden weitere neue Abteilungen geschaffen und Dienststellen wie Hilfsstellen, Sachgebiete und Hilfssachgebiete eingerichtet (1 S. 69)

Quelle:

1. Reibel, Carl-Wilhelm, Das Fundament der Diktatur: Die NSDAP-Ortsgruppen 1932 – 1945, Schöningh-Verlag, Paderborn, 2002, ISBN 3-506-77528-6

Ortsgruppenleiter

Der Ortsgruppenleiter trug die „Gesamtverantwortung für alles, was die Partei betraf. Als Zeichen seiner Macht vor Ort durfte er eine Dienstwaffe tragen, die so genannte Ehrenwaffe. Er hatte auch Entscheidungsgewalt und Mitspracherecht in den „angeschlossenenen Verbänden wie zum Beispiel der DAF, NSV, NS-Frauenschaft“ und konnte neue NSDAP-Mitglieder in seiner Ortsgruppe vorschlagen. Allerdings hatte er bei seinen Vorschlägen an die Kreisleitung … zu beachten, dass die so genannten Parteianwärter sich zuvor in den Reihen der NSDAP engagiert hatten“ (1 S. 89 f).

In der Regel war die Zusammenarbeit des Ortsgruppenleiters mit den Verbänden zufriedenstellend, allerdings  konnten Kompetenzstreitigkeiten zu heftigen Konflikten führen, wenn zum Beispiel ein örtlicher SA- Sturm auf eine besondere Stellung in der Ortsgruppe pochte (1 S. 95).

Quelle:

1. Reibel, Carl-Wilhelm, Das Fundament der Diktatur: Die NSDAP-Ortsgruppen 1932 – 1945, Schöningh-Verlag, Paderborn, 2002, ISBN 3-506-77528-6)

Reichskonkordat 

Mit dem Konkordat, das zwischen dem Deutschen Reich und dem Vatikan im Juli 1933 unterzeichnet und im September 1933 mit seiner Ratifizierung rechtsgültig wurde, versuchte die katholische Kirche ihre Autonomie im NS-Staat zu wahren. Es sollte unter anderem „die Freiheit des Bekenntnisses und seine öffentliche Ausübung“  garantieren und „das Eigentum der Kirche und die katholischen Bekenntnisschulen unter Schutz“ stellen (1).

Allerdings wurde schnell deutlich, dass eine klare Trennung zwischen Religion und Politik nicht möglich war und "das NS-Regime diese auch gar nicht wollte“ (2). Der Vatikan hatte sich mit dem Konkordat einen „gewissen Schutz der katholischen Kirche vor der (so genannten) Gleichschaltung“ erhofft, das „Konkordat trug aber zur Reputation des NS-Regimes im Ausland bei" und war damit ein wichtiger erster Erfolg der nationalsozialistischen Außenpolitik (1).

Auch die Stützen des „Politischen Katholizismus in der Weimarer Republik, die Bayrische Volkspartei und die Zentrumspartei, lösten sich auf, um einem drohenden Verbot zuvorzukommen“ (1). Obwohl zum Beispiel der Paragraf 31 des Konkordats festlegte, dass sich kirchliche Organisationen auf religiöse, kulturelle und karitative Aufgaben zu beschränken hatten und laut Paragraf 32 alle „Geistlichen und Ordensleute die Mitgliedschaft in politischen Parteien und die Tätigkeit für solche Parteien“ ausschloss, wurde der Vertrag von kirchlicher Seite nicht gekündigt (2).

In den folgenden Jahren war die katholische Kirche „einer Vielzahl einschränkender staatlicher Maßnahmen ausgesetzt“. Mit seiner Enzyklika „Mit brenndender Sorge“ hatte Papst Pius XI. (1857 – 1939) zwar „gegen die Konkordatsbrüche protestiert, die zahlreichen Verhaftungen und Ausweisungen katholischer Geisticher konnte er aber nicht stoppen“ (1).

 

Quellen:

1. Claudia Prinz, in: Lebendiges Museum Online, Deutsches Museum, Berlin, 02. 05. 2002, Das Reichskonkordat 1933

2. Nürtingen 1918 – 1950, Hrsg. R. Tietzen, Verlag Sindlinger- Burchartz, Nürtingen/ Frickenhausen, 2011, ISBN 978-3-928812-58-0, S. 250ff

RDB, auch NS-Beamtenbund

Der Reichsbund der deutschen Beamten, auch NS-Beamtenbund genannt, "wurde im März 1935 zu einem der NSDAP angeschlossenen Verband erklärt und der Finanzaufsicht des Reichsschatzmeisters der Partei unterstellt“. Offiziell war er zwar der Dachverband für die Beamten, er „wurde aber zu deren Umerziehung im Sinne des nationalsozialistischen Systems missbraucht“, das heißt, es war seine Aufgabe, die Mitglieder mit „nationalsozialistischem Gedankengut zu durchdringen“.

Quellen:

1. Hrsg. W. Benz/ H. Graml/ H. Weiß, Enzyklopädie des Nationalsozialismus, dtv, 1997, ISBN 3-608-91805-1, S. 788

2. F. Bedürftig, Lexikon Drittes Reich, Piper Verlag München, 1997, ISBN 3-492-22369-9, S. 360f

Volkssturm

„Um den Heimatboden des Deutschen Reichs zu verteidigen,“ wurden ab 1944 im Volkssturm alle „waffenfähigen Männer außerhalb der vorherigen Wehrpflicht“ zusammengefasst (1). Betroffen davon waren etwa sechs Millionen Männer im Alter von 16 bis sechzig Jahren, die bis zu diesem Zeitpunkt aus beruflichen, Alters- und Gesundheitsgründen vom Wehrdienst freigestellt waren (2).

Die Aufgaben der Volkssturmmänner bestanden zum Beispiel in Bau- und Schanzarbeiten und der Verteidigung von Ortschaften in direkter Heimatnähe (1). Sie wurden aber auch als "letztes Aufgebot" zur "erbitterten Verteidigung" gegen die Rote Armee im Osten eingesetzt, wo ihre Einheiten "bei bereits empfindlichem Material- und Munitionsmangel keinen befriedigenden Kampfwert mehr" erreichten. Aufgrund ihrer schlechten Ausbildung "und der hoffnungslosen militärischen Situation" erlitten die Volkssturmeinheiten erhebliche Verluste, eine genaue Zahl der gefallenen Volkssturmmänner ist aber nicht bekannt (2).

Quellen:

1. Hrsg. W. Benz/ H. Graml/ H. Weiß, Enzyklopädie des Nationalsozialismus, dtv, 1997, ISBN 3-608-91805-1, S. 788

2. F. Bedürftig, Lexikon Drittes Reich, Piper Verlag München, 1997, ISBN 3-492-22369-9, S. 360f

Weihnachtsamnestie von 1947

Mit der Weihnachtsamnestie-Verordnung von 1947 sollte eine Reduzierung der Spruchkammer-Verfahrenszahlen erreicht werden. Sie begünstigte Kriegsbeschädigte und finanziell Schwache, gegen die noch keine Entscheidung ergangen war und auch solche Betroffene, die bereits als Mitläufer eingestuft worden waren

(Quelle: Bundeszentrale für Politische Bildung).

"Winterhilfswerk"

Das WHW gehörte organisatorisch zur nationalsozialistischen Volkswohlfahrt, die am 13. September 1933 zur ersten Aktion aufrief und "vielfältige Ideen zur Steigerung der Sammlungsergebnisse" entwickelte: So führte das WHW zum Beispiel "Straßen- und Haussammlungen" durch, veranstaltete "Eintopfsonntage" und stellte in den Geschäften Spardosen "für einen Winterpfennig" auf. Hilfen erhielten nur "würdige" und "erbgesunde" Personen, "was parteiamtlich nach politischen, sozialen und rassischen Merkmalen festgesetzt wurde".

Quelle: F. Bedürftig, Taschenlexikon Drittes Reich, Piper Verlag, München, 1998, ISBN 3-492-22369-9, S. 375