Nürtinger NS-Frauenschaftsleiterinnen:

Ideologische und praktische Erziehung der Frauen im Sinne des Nationalsozialismus

von Anne Schaude, 2021

Die NS-Frauenschaft, im Oktober 1931 gegründet, wurde reichsweit ab 1935 „... als Gliederung der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei (NSDAP) in die Partei integriert“, berichtet die Nürtinger Historikerin Petra Garski-Hoffmann im Heimatbuch „Nürtingen 1918-1950“. Zur Aufgabe der Frauenschaft gehörte die ideologische und praktische Erziehung „der Frauen im Sinne des Nationalsozialismus“. Ehe und Mutterschaft waren jetzt „... keine Privatsache mehr“, beide Partner hatten sich nun „in den Dienst der allgegenwärtigen Volks­gemeinschaft zu stellen“, führt Garski-Hoffmann weiter aus. Zu den Aufgaben der Frauen ge­hörte es, „die Ansprüche der Rassen- und Bevölkerungspolitik zu erfüllen“ (1. Quelle, S.222). Um diesen Auftrag zu erfüllen, bot die Frauenschaft gezielt Kurse und Seminare an, die auf die häusliche und familiäre Welt der Frauen abgestimmt waren. Von 1934 – 1938 nahmen im Deutschen Reich zum Beispiel etwa 1,2 Millionen Frauen an entsprechenden Schulungen teil. Themen dieser Kurse waren unter anderem Haushalt, Gesundheit, Erziehung und Brauchtum (2/618).


Gertrud Scholtz-Klink (6/15)

„Die NS-Frauenschaft war - wie die gesamte NSDAP - organisatorisch vom Gau bis hinunter in die Blöcke hierarchisch gegliedert“ (1/222). An ihrer Spitze stand seit 1934 die Reichsfrauenführerin Gertrud Scholtz-Klink (1902 – 1999) (3/31). Um ihre Mitarbeiterinnen, die Frauenschaftsleiterinnen vor Ort, auch ideologisch schulen zu können, richtete Scholtz-Klink für diese Zwecke zwei Reichsschulen in Berlin und Coburg ein. Sie selbst „hielt ab 1935 jährlich zwei Seminare an der Berliner Hochschule für Politik“ ab (3/31). Im Jahr 1999 starb sie „im Alter von 97 Jahren in Bebenhausen“ bei Tübingen. (4/177).

 

Am Anfang dreizehn Nürtinger Mitglieder

In Nürtingen existierten drei Frauenschafts-Ortsgruppen, die Gruppen Nord, Süd und Obe­rensingen. Die erste hiesige Leiterin soll Else Appenzeller gewesen sein, die zum Beispiel im April 1933 „im Namen ihrer Organisation zur Beteiligung an der Hitler-Spende aufrief. Zu dieser Zeit war die NS-Frauenschaft noch ein recht kleines Häuflein ...“ (1/222). Im Sommer 1933 bestand die hiesige Gruppe aus etwa dreizehn Frauen. Sie trafen sich noch im Haus von Julie H. (geboren 1879) in der Gerberstraße. Später, als die Gruppe größer wurde, fanden ihre Versammlungen in einem Raum der Strickwarenfabrik Z. in der Holzstraße statt (5).

An einem Werbeabend im Dezember 1933, als in der Nürtinger Stadthalle eine Referentin „über die Stellung der Frau im neuen Staat“ informierte, sollen die Nürtingerinnen „dieser Einladung so zahlreich Folge'“ geleistet haben, „daß die Stadthalle gedrängt voll war“. Im Jahr 1934 traten etwa 80 Nürtingerinnen der Frauenschaft und dem Frauenwerk bei. Neben den Unterweisungen in Haushalts- und Gesundheitsfragen „spielte der Sammeldienst eine herausragende Rolle“. Gesammelt wurde für vielfältige Zwecke, unter anderem für das Win­terhilfswerk (WHW) und für die „Soldaten im Felde“. „Von einem Bettel- und Sammelamt“ sprach nach dem Krieg eine ehemalige Blockfrau, „das in keiner Weise propagandistisch, sondern nur sozial gewesen“ sein soll (1/222f).

NS-Frauenschaftsleiterinnen, die zum Beispiel im Jahr 1938 Schulungen und Sammlungen in Nürtingen organisierten, waren Frau Truckenmüller (Vorname unbekannt) auf Kreisebene, für die Nürtinger Ortsgruppe Nord Thekla G. (1/215) und für die Ortsgruppe Süd Fräulein Marie V. (1/215). Über diese und weitere Leiterinnen, deren Spruchkammerakten im Ludwigsburger Staatsarchiv noch immer aufbewahrt werden, wird hier im Folgenden berichtet:

 

Quellen:

  1. Hrsg. R. Tietzen, Nürtingen 1918 – 1950, Verlag Sindlinger-Burchartz, Nürtingen/ Frickenhausen, 2011, ISBN 978-3-928812-58-0

  2. Hrsg. W. Benz/ H. Graml/ H. Weiß, Enzyklopädie des Nationalsozialismus, dtv, 1997, ISBN 3-608-91805-1

  3. Hrgb. W. Benz, Wie wurde man Parteigenosse? Die NSDAP und ihre Mitglieder, Fi­scher Taschenbuch Verlag, Frankfurt/ M., 2009, ISBN 978-3-596-18068-4

  4. H.-J. und G. Wohlfromm, „Und morgen gibt es Hitlerwetter!“, Alltägliches und Kurioses aus dem Dritten Reich, Anaconda Verlag, Köln, 2017, ISBN 978-3-7306-0517-2

  5. StAL (Staatsarchiv LB) EL 902/17 Bü 4404

  6. Hrsg. Oberste Leitung der NS-Frauenschaft, NS-Frauenbuch, J.F. Lehmanns Verlag, München, 1934

Hinweis:

Die folgenden Berichte basieren auf Informationen aus Nürtinger Spruchkammerakten der ersten Nachkriegsjahre. Diese einseitig wirkenden Quellen stammen aus Eigenaussa­gen und Entlastungszeugnissen der angeklagten Frauen. Gern hätte die Autorin auch die Sichtweisen von Nürtingern dargestellt, die in der NS-Zeit unter diesen Frauen­schaftsleiterinnen benachteiligt wurden. Diesbezügliche Aussagen konnten in den Spruchkammerakten aber keine gefunden werden.

1. Emilie E. – Ortsfrauenschaftsleiterin und Blockfrau


In ihrem Amt als Ortsfrauenschaftsleiterin, das sie von September 1939 bis Kriegsende inne hatte, unterstand Emilie E. dem Ortsgruppenleiter, erst Ernst Fischer, dann Wilhelm Becker, sowie der Kreisfrauenschaftsleiterin Truckenmüller. Emilie E. betreute die Frauenschaftsleite­rinnen der beiden Nürtinger wie auch der Oberensinger Ortsgruppe. Die amtlichen Auskünfte, die die Spruchkammer im Jahr 1947 für ihr Entnazifizierungsverfahren einholen ließ, ergaben, „dass sich die Betroffene als eifriges und wichtigmachendes Parteimitglied aufgespielt“ hatte und „dass sie ziemlich aktiv tätig war“. Zeugenaussagen vor der Spruchkammer ergaben aber ein etwas anderes Bild: Die Aktivitäten von Emilie E. sollen hauptsächlich in ihrem Einsatz für die sozialen Belange der Frauen bestanden haben. Eine ehemalige Mitarbeiterin der Nür­tinger Frauenschaft bestätigte der Spruchkammer in einer Eidesstattlichen Erklärung im Jahr 1947, Frau E. sei „eine gerecht denkende, hilfsbereite Frau gewesen, die sich die Achtung und Wertschätzung aller Frauen, die mit ihr zu tun hatten, mit Recht erworben“ hatte.

Geboren wurde Emilie E. im Jahr 1899 in Nürtingen. Seit 1933 lebte die Hausfrau wieder in ihrer Heimatstadt in der Werastraße. Im Jahr 1935 trat sie der NS-Frauenschaft (NSF) und bis 1939 dem Reichsbund für Leibesübungen (NSRL) bei. Vor der Spruchkammer berichtete Emilie E. im Jahr 1948, sie sei nach der Auflösung des Hausfrauenvereins der NSF beigetre­ten und 1936 als Blockfrau bestimmt worden. Im September 1939 wurde sie zur Ortsfrauen­schaftsleiterin ernannt, seit 1940 war sie Mitglied der NSDAP. Der Partei sei sie erst nach Aufforderung beigetreten, ergänzte sie vor der Spruchkammer.

Ihre Funktion habe aus der Organisation von Heimabenden bestanden, bei denen sie das Anfangs- und Schlusswort gesprochen hatte, sagte sie im Rahmen ihrer Anhörung vor der Kammer. Ihre Aufgaben als Blockfrau „bestanden in der Hauptsache darin, beim Einsammeln der Pfundspenden, bei Sammlungen und bei der Kinderlandverschickung mitzuhelfen. Man hat eben die Arbeiten gemacht, die man von der Ortsgruppe übertragen bekam. Ich glaubte, dass diese Arbeiten recht sind und einen sozialen Zweck erfüllen. Diese Arbeiten lagen ... tat­sächlich auf dem sozialen Gebiet und hatten mit Politik gar nichts zu tun“, führte sie vor der Spruchkammer weiter aus.

Emilie E.’s Aufgaben als Frauenschaftsleiterin wurden mit diesem Amt vielfältiger. In ihrer Anhörung vor der Spruchkammer ergänzte sie im Februar 1948: „Im Jahr 1939 sind die ersten Rückkehrer aus dem Saargebiet zu uns gekommen und ich sah, wie arm und notdürftig die Leute zu uns kamen. ... ich war sehr ergriffen. Der damalige Ortsgruppenleiter Fischer er­klärte mir, dass er eine Frau brauche, die in der Lage sei, sich der Armen und Notleidenden anzunehmen und sie zu betreuen. Ich soll das Amt der Ortsfrauenschaftsleiterin übernehmen. Es war seinerzeit so, dass kaum jemand da war, der das Amt der Ortsfrauenschaftsleiterin übernehmen wollte. Die Arbeit brachte nicht viel Freude, man musste manche Unannehmlich­keit von den Leuten einstecken. Man konnte es auch nicht allen Leuten recht machen.“

Unter der Leitung von Emilie E. half die Nürtinger Frauenschaft überall da, „wo Not war. Ich denke an die Spinnstoffsammlungen, dann haben wir für die Bauern gearbeitet, im Sommer bei der Ernte, im Winter geflickt und genäht. Später haben wir zwei Nähstuben eingerichtet, wo aus alten Sachen neue gefertigt wurden. Ich habe geglaubt, dass das richtig sei. Meine Meinung habe ich aber nie anderen aufgedrängt. In der Frauenarbeit war ich voll aktiv tätig. Bei Sammlungen haben die Blockfrauen Haus für Haus durchgearbeitet. Wo man wusste, dass nichts zu holen war, ist man schon gar nicht hingegangen.“

Welches Urteil fällte die Spruchkammer in diesem zwiespältigen Fall?

Von Juli bis November 1945 kam Emilie E. vier Monate in politische Haft ins Internierungs­lager nach Ludwigsburg. Im Jahr 1947/48 stellte die Spruchkammer Nürtingen unter Karl Hemminger und dem Öffentlichen Kläger Dr. Alfred Schlager fest, dass die Betroffene zu den Personen gerechnet werden müsse, die mit besonderer Sorgfalt zu prüfen seien. Schriftlich überliefert ist, dass es der Kammer schwer fiel, hier einen gerechten Spruch zu fällen. Man wollte ihr „die reine Frauenschaftsarbeit, die der Nächstenliebe galt“, nicht als politische Schuld anrechnen. „Ihre Gesamthaltung, sowie ihre Arbeit zum Wohle der Allgemeinheit muss aber gerechterweise weitgehendst berücksichtigt werden“, so die Kammer. „Ein Zeugnis der Frau (Paula) Planck bestätigt der Betroffenen, dass sie auch gegen Andersdenkende und gegen solche, die wegen ihrer antifaschistischen Haltung bekannt waren, sich hilfreich und zuvorkommend“ gezeigt hatte.

Andererseits war Emilie E. „als die Exponentin der Frauenschaft in Nürtingen bekannt“. Sie war, davon war die Kammer überzeugt, „... vom NS durchdrungen und hat an ihn geglaubt. Sie hat dies auch nach außen hin durch ihre Haltung gezeigt. Wenn eine große Anzahl nicht aktiver Mitglieder der Frauenschaft als Mitläufer in eine empfindliche Sühne genommen wer­den mussten, so geht es nicht an, dass die Leiterin der Frauenschaft als Mitläuferin angesehen wird. Sie hat sich auch durch ihr Auftreten, durch ihre Stellung und ihre Tätigkeit als über­zeugte Anhängerin des Nationalsozialismus gezeigt und muss als belastet angesehen werden“. Im Februar 1948 reihte die Nürtinger Spruchkammer Emilie E. in die Gruppe 3 von fünf Gruppen, in die Gruppe der Minderbelasteten, ein. Ihre Bewährungsfrist betrug sechs Monate, zudem hatte sie einen einmaligen Sühnebetrag von 500 Reichsmark (RM) zu entrichten (1).

Tafel im NS-Dokumentationszentrum München, 2018

 

 

 

 

 

 

Das „Gesetz Nr. 104 zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus“ vom 5. März 1946 beschrieb in Artikel 11 genau, wer zu den Minderbelasteten gerechnet werden konnte. Unter anderem konnte, „wer an sich zur Gruppe der Belasteten gehört, jedoch wegen beson­derer Umstände einer milderen Beurteilung würdig erscheint und nach seiner Persönlichkeit erwarten läßt, dass er nach Bewährung in einer Probezeit seine Pflichten als Bürger eines friedlichen demokratischen Staates erfüllen wird ...“ in diese Gruppe eingereiht werden. Die Bewährungsfrist sollte aber nicht mehr als drei Jahre betragen (2).

 

Quellen

1. StAL EL 902/17 Bü 1902

2. Gesetz Nr. 104 zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus


2. Thekla G. – Frauenschaftsleiterin Ortsgruppe Nürtingen Nord

Thekla G., geborene R., wurde 1901 in Breitenstein geboren (1). Die Familie ihrer Eltern leb­te aber schon viele Jahre in Sindelfingen, wo ihr Vater Wilhelm R. als Rektor der dortigen Volksschule tätig war. Er soll sehr tüchtig gewesen sein und war als langjähriger demokrati­scher Gemeinderat beliebt, geschätzt und geachtet. Nach dem Tod seiner Frau im Jahr 1918 führte Tochter Thekla bis zu ihrer Eheschließung den Haushalt des Vaters (2). Wann genau sich der Vater nochmals vermählte, ist nicht bekannt. 1928 heiratete Thekla G. den Hauptleh­rer Reinhold G. (geboren 1900). Das Ehepaar bekam drei Töchter, die 1934, 1936 und 1943 geboren wurden (2). Von 1928 – 1937 wohnte die junge Familie in Untergröningen/ Kocher, dann bis 1945 in Nürtingen, später in Sindelfingen (1).

Anfänglich als Hauptlehrer tätig, wurde Ehemann Reinhold im Oktober 1935 von seiner Schulbehörde freigestellt, um in Nürtingen die Verwaltung des Lehrerschulungslagers Jung­born zu übernehmen. Diese Tätigkeit übte er, mit einer Unterbrechung wegen Einberufung zur Wehrmacht, bis 1941 aus, als er nach München dienstverpflichtet wurde (2).

Neben ihrem Einsatz für die Familie hatte Thekla G. in Untergröningen das Amt der Ortsfrau­enschaftsleiterin inne, von 1935 – 1936 war sie stellvertretende Kreisfrauenschaftsleiterin in Gaildorf (3), ab 1938 auch Mitglied der NSDAP (2). Zudem gehörte sie zeitweise der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) und dem Reichslehrerbund ( RLB) an (3).

Die NSV war die bekannteste NS-Massenorganisation, die sich ab 1933 „zu einer reichswei­ten, ständig expandierenden Wohlfahrtseinrichtung“ entwickelte. Zu ihr gehörten unter ande­rem das Winterhilfswerk, das Hilfswerk „Mutter und Kind“ und die Kinderlandverschickung. Aber nur „rassisch wertvolle“ Bedürftige wurden unterstützt, alle anderen wie so genannte „Minderwertige und Asoziale“ mussten sich an die öffentliche Fürsorge wenden. Die NSV leistete „Dienst am Volk, nicht am Individuum“, ihr Schwerpunkt war die so genannte natio­nalsozialistische Volksgemeinschaft (4/619).

Thekla G. soll auch Trägerin/Inhaberin der so genannten Volkspflegemedaille des NSV gewe­sen sein. Wann sie mit dieser Ehrung ausgezeichnet wurde, ist nicht bekannt (3). „Das Ehren­zeichen für deutsche Volkspflege wurde am 1. Mai 1939 durch Adolf Hitler gestiftet“ und für Verdienste unter anderem im Rahmen der Volkswohlfahrt und des Winterhilfswerks verlie­hen.

Einsatz beim SA-Sporttag 1936 in Nürtingen (Nürtinger Tagblatt vom 26. 08. 1936)

In Nürtingen bekleidete Thekla G. von 1938 – 1942 auch wieder das Amt der Frauenschafts­leiterin, hier der Ortsgruppe Nürtingen Nord. Als sie die hiesige Frauenschafts-Ortsgruppe übernahm, hatte Nürtingen etwa 10.000 Einwohner, der örtlichen Frauenschaft gehörten unge­fähr zweihundert Personen an (3). Bis 1942, als Thekla G. ihr Amt in der Frauenschaft been­dete, (2), war die Zahl der Mitglieder auf circa 300 angewachsen (3).

In Haft

Im August  1945 kam Thekla G. in Haft und wurde Anfang 1946 ins Internierungslager Lud­wigsburg eingewiesen. Dort war sie anfänglich bei der Spielzeugfertigung im Holzwerkraum, später im Gartenbau tätig. Ihre Arbeit soll sie willig und fleißig erledigt haben, berichtete der Lagervorsteher. Da zu dieser Zeit auch ihr Ehemann in einem Lager interniert war, wurden die unmündigen Kinder des Ehepaares von der zweiten Frau ihres Vaters versorgt. Das muss wohl keine so gute Lösung gewesen sein, denn der Sindelfinger Bürgermeister Gr. wies mehr­mals schriftlich den Öffentlichen Kläger im Spruchkammerverfahren darauf hin, dass nicht nur die Erziehung, sondern auch die wirtschaftliche Fürsorge für die Kinder auf Dauer nicht vertretbar seien. Aufgrund dieser „trostlosen Familienverhältnisse“ bat er wiederholt um bal­dige Haftentlassung und um ein mildes Urteil für die Mutter der drei Kinder (2).

Das Spruchkammerverfahren gegen Thekla G. wurde somit ab 1946 von der Spruchkammer des Internierungslagers Ludwigsburg durchgeführt (1), von der sie als Belastete eingestuft wurde. Im Februar 1945 hatten die Alliierten auf der Konferenz von Jalta Richtlinien für das „Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus“ beschlossen. Laut diesem Gesetz sollten alle ehemalige Nationalsozialisten von deutschen Spruchkammern in fünf Ka­tegorien eingereiht werden. Zu Gruppe zwei, also zur Gruppe der Belasteten, zählten Aktivis­ten, Militaristen und Nutznießer des NS-Regimes (5 S. 98).

Im Rahmen dieses Verfahrens teilte die Nürtinger Spruchkammer der Ludwigsburger Spruch­kammer mit, Thekla G. „müsse nach dem ... vorliegenden Material als eine sehr tätige, unbe­lehrbare und von der Bedeutung ihrer Funktion überzeugte Nationalsozialistin zweifellos an­gesehen werden“. Allerdings seien in Nürtingen keine Fälle bekannt, welche sie persönlich belasteten. Sie habe auch nie „die Gebote des persönlichen Anstandes außer Acht gelassen und sich jedermann ohne Unterschied der Person, des Standes gefällig und hilfreich gezeigt“ (3).

In ihrer Anhörung im Juli 1947 verteidigte Thekla G. ihr Handeln in der NS-Zeit wie folgt: „Die Kreisfrauenschaftsleiterin bat mich, ... die erkrankte Ortsfrauenschaftsleiterin für kurze Zeit zu vertreten. Ich nahm dieses Amt an, wobei sich gleich zu Beginn herausstellte, dass von der Ortsfrauenschaftsleiterin (Vorgängerin) noch verschiedene unbezahlte Rechnungen da waren, z.B. Rechnungen für Saalmiete, Transport, für Licht u. dergl.. Auf Grund dieser un­bezahlten Rechnungen hat die Kreisfrauenschaftsleiterin die Ortsfrauenschaftsleiterin nicht mehr anerkennen wollen. ...“ Politische Reden habe sie nicht gehalten, führte sie weiter aus. Als sie 1942 die Ortsgruppe Nürtingen aus gesundheitlichen Gründen abgab, „waren damals ungefähr 300 Frauen in der Ortsgruppe“. Immer wieder habe sie die Aufforderung erhalten, „Werbung für die Frauenschaft durchzuführen. Auch wurde mir vorgeworfen, es seien in Nür­tingen zu wenig Frauen in der Frauenschaft“. Trotzdem habe ihr die Arbeit in der Frauen­schaft sehr viel Freude gemacht, berichtete Thekla G. weiter, „Die Arbeit ... wurde nur auf fraulichem Gebiet aufgebaut, zum Beispiel nähen, kochen“ (2).

Ehemalige Mitglieder der Nürtinger NS-Frauenschaft stellten Thekla G. im Jahr 1947 folgende Zeugnisse aus:

So sagte die Nürtinger Hausfrau Marie M. vor der Spruchkammer aus:

Frau G. war sehr tolerant, hat mir nie irgendetwas in den Weg gelegt, weil ich beim Kir­chenchor war und ... in der Kirche sang“ (2).

Thuse A.:

Ich kenne Frau G. als eine sehr gute Frau. Dass sie eine Fanatikerin gewesen sein soll, ist mir nicht bekannt. … Sie half überall, wo immer sie konnte“ (2).

Mina H.:

Frau G.‘s Abende waren auch nur fraulich und nicht politisch gehalten, waren nur auf sozialem Gebiet aufgebaut“ (2).

Martha M., Geschäftsfrau aus der Neckarsteige:

z.B. hat sich Frau G. bei Fliegerangriffen mit den Frauen eingesetzt. Sie stand immer auf dem Standpunkt, wo Not am Mann war zu helfen“ (2).

Julie M.:

Ich ... bestätige, dass Frau G. im September 1939 die Verpflegung für die Flüchtlinge aus Baden mit 11 Kindern übernommen hatte. Es gab sehr viel Arbeit, die mit der Organisation von Frau G. bewältigt werden konnte. Es waren auch Juden unter den Evakuierten, die gleich wie die Deutschen verpflegt und behandelt wurden“ (2).

Der Anwalt von Thekla G. erklärte, sie habe das Amt der Frauenschaftsleiterin in Nürtingen „nur unter großem Druck angenommen. Sie hatte sich ganz der sozialen Frauenarbeit gewid­met und ihre ganze Tätigkeit auf Helfenwollen im Sinne der christlichen Nächstenliebe abge­stellt“ (2).

 

Nürtinger Tagblatt vom 5. Dezember 1938

Eingruppierung als Belastete und Aufhebung der Einstufung im Jahr 1953

Im Juli 1947 reihte die Spruchkammer des Internierungslagers Ludwigsburg mit ihrem Spruch Thekla G. in die Gruppe der Belasteten ein. „In Ansehung aller Beweise konnte die Kammer nicht zu der Ansicht kommen, dass die Betroffene mit Rücksicht auf ihre außerordentlich an­ständige Gesamthaltung, sie hat drei unmündige Kinder, milde zu beurteilen ist“ (3). „Die Be­troffene ist Belastete, ist für die Dauer von 18 Monaten in ein Arbeitslager einzuweisen. Die Internierungszeit ist ihr voll in Rechnung zu bringen. Ein Fünftel ihres Vermögens, mindes­tens aber Reichsmark (RM) 500,- sind zu Gunsten eines Wiedergutmachungsfonds einzuzie­hen. Die Kosten der Internierungshaft sind von der Betroffenen … mit RM 1,80 pro Tag zu bezahlen“ (3).

Auch die Berufungskammer des Internierungslager Ludwigsburg, bei der Thekla G. gegen diesen Spruch Berufung eingelegt hatte, bestätigte im September 1947 den Spruch der Spruchkammer: „Die jahrelange politische Tätigkeit der Betroffenen kann nicht durch die bei den Akten befindlichen Entlastungszeugnisse, die lediglich Charakterzeugnisse ohne politi­sche Wertigkeit darstellten, soweit herabgemindert werden, dass die geringe verhängte Ar­beitslagersühne gerechtfertigt erscheint. Die Betroffene war acht Jahre lang eine rührige Amtsträgerin der NS-Frauenschaft. Sie hat damit eine politische Verantwortung auf sich gela­den, die mit nur 18 Monaten Arbeitslager und 20 Prozent Vermögenseinzug nicht wieder gut gemacht werden kann“ (3).

Vermutlich konnte Thekla G. im Jahr 1950 ihren Sühnebetrag nicht mehr bezahlen, denn da teilte Thekla G‘s Ehemann der Zentralspruchkammer mit, dass seine Frau ohne Einkommen sei und er als Hilfsarbeiter nicht soviel verdiene, dass er „ohne fremde Hilfe“ seine „5-köpfige Familie durchbringen könnte“. Sein Lohn in einem Metallwerk lag zu dieser Zeit bei 55 DM/wöchentlich (2).

Im Dezember 1953 wurde Thekla G.‘s Einstufung als Belastete im Rahmen des Gesetzes zur einheitlichen Beendigung der politischen Säuberung vom 13. Juli 1953 aufgehoben. Nach ei­ner Anhörung des Gnadenausschusses im Ministerium für politische Befreiung erhielt sie eine Einstufung in die Gruppe der Mitläufer. Der Gnadenerweis lautete, sie sei „keine Fanatikerin und individuell in keiner Weise belastet“ gewesen. Die Einstufung von 1947 als Belastete sei „entschieden zu hart“ ausgefallen. Und auch die bis dahin nicht gezahlte Sühne-Schulden wurden ihr erlassen (2).


Quellen

1. StAL (Staatsarchiv LB) EL 902/4 Bü 4364, Spruchkammer Böblingen

2. StAL EL 903/5 Bü 15, Verfahrensakten

3. StAL EL 905/4 Bü 651, Spruchkammer des Interniertenlagers

4. Hrsg. W. Benz/ H. Graml/ H. Weiß, Enzyklopädie des Nationalsozialismus, dtv, 1997, ISBN 3-608-91805-1

5. F. Bedürftig, Taschenlexikon Drittes Reich, Piper Verlag, München, 1998, ISBN 3-492-22369-9

3. Marie V. - Frauenschaftsleiterin Ortsgruppe Nürtingen Süd

Die ledige (1) Maria/ Marie Sofie V. wurde 1894 in Calicut/ Ost-Indien (heute: Kozhikode) geboren, wo ihr Vater vermutlich beruflich tätig war. Ab dem Jahr 1900 besuchte sie Töchte­rinstitute in Basel und Korntal und ließ sich in Stuttgart als Handarbeits-Lehrerin ausbilden. Ab 1915 besuchte sie dort das Seminar der Frauenarbeitsschul-Lehrerinnen und war anschlie­ßend als Lehrerin an der Haushaltungsschule in Schrozberg tätig (2).

Seit 1. Mai 1920 lebte sie, mit Unterbrechungen wegen Fortbildungen, in Nürtingen, wohnte hier ab 1934 neben dem Gebäude der Städtischen Frauenarbeitsschule, in der sie als Lehrerin tätig war (2). Diese Schule befand sich in der Frickenhäuserstraße (1). Im Jahr 1928 über­nahm Marie V. stellvertretende Schulleitungsaufgaben für die erkrankte Schulleiterin. Ihren Lehrauftrag beschrieb sie wie folgt: „Der Unterricht ... umfasst die für den Hausfrauenberuf und für die Industrie nötigen Kenntnisse, die rein praktischer Art sind: Wäsche-Kleidernähen, mit dem damit verbundenen Zeichnen ... Die Schülerinnen sind 15 Jahre alt und älter und ent­sprechen der Lehrlinge irgendeines Industriezweiges, vornehmlich des Schneidergewerbes“ (2).

„Tätigkeit fernab von jeglicher politischer Tendenz ...“

Winterhilfswerk Kleidersammlung (Nürtinger Tagblatt vom 14. 02. 1934)

Im Mai 1933 trat Marie V. in die NSDAP ein, im selben Jahr auch in Korntal in die NS-Frau­enschaft und in den NS-Lehrerbund. Leiterin der Frauenschafts-Ortsgruppe Nürtingen Süd wurde sie 1937 (2). Nach dem Krieg erklärte sie in ihrer Anhörung vor der Nürtinger Spruch­kammer, sie sei 1933 „aus eigenem freien Entschluss der NSDAP“ beigetreten, weil „die Pro­gramm-Punkte der Partei eine Verbesserung der wirtschaftlichen Notlage versprachen“. Auf­grund ihrer hauswirtschaftlichen Kenntnisse beauftragte sie der NSV-Kreisamtsleiter (NSV: NS-Volkswohlfahrt) im Oktober 1934 mit Näharbeiten für das Winterhilfswerk (WHW). Dazu gehörte das Sortieren und Umarbeiten von Kleidung aus Kleidersammlungen. Zur selben Zeit erhielt sie von der NSV den Auftrag, eine öffentliche Muttertagsfeier zu organisie­ren. Dazu ihr Kommentar vor der Spruchkammer: „Dass aber auch diese Tätigkeit fernab von jeglicher politischer Tendenz lag, werden Sie mir glauben“ (2).

Als Marie V. 1937 die Frauenschafts-Ortsgruppe (NSF) Nürtingen Süd übernahm, entfiel für sie die Aufgabe des Umänderns von gespendeter Kleidung. Im Jahr 1947 berichtete sie vor der Spruchkammer, sie habe nichts weiter zu tun gehabt, „als eingegangene Post und Berichte getrennt nach Ortsgruppe Nord und Süd abzulegen oder mich an Sammlungen zu beteiligen. … Die folgenden Monate zeigten, dass wirklich sämtliche NSF-Geschäfte von Frau G., der Leiterin der Gruppe Nord, auch für die Gruppe Süd miterledigt wurde“. Sie erklärte weiter, dass eine Krankheit und der Schuldienst sie derart in Anspruch genommen hätten, dass sie keine zusätzliche Nebentätigkeit hätte leisten können. Einen Austritt aus der Partei wagte sie nicht, weil „ ... das Kultministerium die Mitarbeit aller Lehrer in der NSDAP gefordert“ habe. Ab 1938 habe sie sich nur noch ihrem Beruf und dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) gewid­met. Vor der Spruchkammer bestritt sie deshalb entschieden, „jemals die Gewaltherrschaft des Dritten Reiches wesentlich gefördert ... zu haben“. Im September 1944 wurde die Nürtin­ger Frauenarbeitsschule geschlossen. Daraufhin verpflichtete das Arbeitsamt Marie V. zum Einsatz für die hiesige Strickwarenfabrik Jenisch (2).

1951 Wiedereinsetzung als Beamtin auf Lebenszeit

Nach dem Krieg wohnte Marie V. in der Neuffener Straße, später in Sindelfingen (1). Im Rahmen ihres Spruchkammerverfahrens meldeten die hiesigen politischen Parteien 1946 an die Spruchkammer Nürtingen: „Frl. V. muss als Idealistin bezeichnet werden. Sie setzte sich als Frauenschaftsleiterin voll ein“ (2). Und auch die Nürtingerin Paula Planck, die als Mit­glied des Kreisarbeits-Ausschusses ein Statement abzugeben hatte, schrieb in einer Erklärung am 14. April 1946: „Es ist mir bekannt, dass Frl. V. sowohl in ihrem Beruf, als auch bei den Hilfsaktionen der Frauenschaft mit großer Hingabe und Treue gearbeitet hat. Ich habe die feste Überzeugung, dass Frl. V. auch unter den heutigen Verhältnissen ihre übertragenen Auf­gaben mit derselben Hingabe erfüllen würde und könnte es nur begrüßen, wenn sie wieder in ihr Amt eingesetzt würde“ (2).

Zwischenzeitlich hatte das Nürtinger/ Kirchheimer Bezirksschulamt mehrmals um die Wie­dereinsetzung der Lehrerin wegen Wichtigkeit der Stelle gebeten (2). Und auch Nürtingens Bürgermeister August Pfänder, der bereits von 1943 – 1945 als NSDAP-Mitglied Bürger­meister war, befürwortete die Wiedereinstellung von Marie V. an der Frauenarbeitsschule: „Sie steht hier in bestem Ruf und Ansehen und hat sich in vielen Jahren an der hiesigen Schu­le erfolgreich betätigt“ (3).

Im März 1948 entschied die Spruchkammer Nürtingen, das Verfahren gegen Marie V. auf­grund der Weihnachts-Amnestie von Februar 1947 einzustellen. Damit waren die Vorausset­zungen für ihre Wiedereinstellung erfüllt (3). Ab Mai 1948 war Marie V. in der Frauenar­beitsschule Murrhardt tätig (3). Im Mai 1951 wurde sie in das Beamtenverhältnis auf Lebens­zeit berufen (3).


Quellen:

1. Stadtarchiv Nürtingen, 2019

2. StAL (Staatsarchiv LB) EL 902/17 Bü 10934

3. StAL EL 205 Bü 749, Oberschulamt Stuttgart, Personalakten

4. Marta Sch. - Ortsfrauenschaftsleiterin in Oberensingen

Eine weitere Nürtingerin, die - nach eigener Aussage - in der NS-Zeit „nur uneigennützige Arbeit für die Allgemeinheit geleistet“ hatte, war die 1901 in Oberndorf am Neckar geborene Marta Sch., geborene M. (1). Sie war verheiratet mit Walter Sch. (1901 – 1958), einem Diplom-Ingenieur. Das Ehepaar hatte fünf Kinder und wohnte erst in der Nürtinger Kernstadt, ab 1934 in Oberensingen (2). Im Jahr 1935 war Marta Sch. in die NS-Frauenschaft eingetre­ten, wo sie 1938 das Amt der Ortsfrauenschaftsleiterin übernahm. 1937 wurde sie Mitglied der NSDAP mit der Mitgliedsnummer 5.253.932 (1).

Von Juli bis Dezember 1945 kam Marta Sch. wegen ihrer Tätigkeit in der NS-Zeit in Haft, die möglicherweise in Form von Hausarrest durchgeführt wurde. Eigentlich habe sie in ihrem Amt „viele persönliche Nachteile gehabt", beteuerte sie zu Beginn ihrer Verhandlung im Frühjahr 1946 vor der Nürtinger Spruchkammer. Demzufolge rechnete sie sich selbst nur zu den „Mitläufern". Bürgermeister Hermann Weilenmann teilte aber der Spruchkammer mit, Marta Sch. sei, „wie ihr Mann eifrig für die Partei tätig“ gewesen. Diese Tatsache sei „allen bekannt“ gewesen (1).

Daraufhin legte sie eine Erklärung vor, die für sie sprechen sollte: Sieben Unterzeichnete be­stätigten, „dass Marta Sch. während ihrer Tätigkeit in der Frauenschaft dort nur die von ihr verlangte soziale Tätigkeit ausübte. Ihr Auftreten war immer ruhig und sachlich. Von ... Fana­tismus kann keine Rede sein. ... Die Unterstützung eines bestehenden Regierungssystems war bei dem beschränkten Wirkungskreis innerhalb der Frauenschaft der hiesigen Ortsgruppe nicht möglich“. Marta Sch. selbst unterstrich in ihrer Klageerwiderung, sie habe in ihrem Haushalt soviel Arbeit gehabt, dass sie sich „nur mit Mühe einige Stunden für die dringends­ten unpolitischen Arbeiten der NS-Frauenschaft freimachen konnte“. Zudem habe sie durch die Ausübung ihres Amtes in einer kleinen Ortsgruppe nicht zur Erhaltung „der NS-Gewalt­herrschaft“ beigetragen. Deshalb könne von einer „wesentlichen Förderung der Partei“ in ihrem Fall keine Rede sein, unterstrich sie vor der Kammer (1).

Im April 1948 entschied die Nürtinger Spruchkammer unter Vorsitz von Karl Gottwein, Mar­ta Sch. als Mitläufer einzustufen mit einem einmaligen Wiedergutmachungsbetrag von RM 200,-. Weil sie kein eigenes Einkommen habe, legte sie gegen diesen Sühnebescheid Ein­spruch ein. Sie hatte gehofft, dass bei ihr „mindestens die gesetzlichen Voraussetzungen für die Weihnachtsamnestie erfüllt“ wären. Dem war aber nicht so. Die Spruchkammer betonte: „Für die Betroffene ist etwas mehr abgefallen ... als für den Großteil der Frauen, die zu einer Sühne von RM 100,- ... herangezogen werden mussten, dabei aber keine solche Formalbelas­tung wie diejenige der Betroffenen aufzuweisen hatte und auch keine ,fanatische, eifrige An­hänger der Partei’ waren, wie es der Betroffenen nachgesagt wird“. Zudem hatte die Kammer aufgrund ihrer „mehrfachen Verbundenheit mit dem NS“ die Weihnachtsamnestie in ihrem Fall nicht anwenden können (1).

 

Quellen:

1. StAL EL 902/17 Bü 9687

2. OFB Oberensingen

5. Marie G. – Ortsfrau in Neckarhausen

Viel ist nicht bekannt über Marie G, die 1893 geboren wurde und in der Hauptstraße in Ne­ckarhausen lebte. Sie war ledig, betrieb eine Landwirtschaft und arbeitete als Heimarbeiterin für die Nürtinger Strickfabrik Jenisch.

Im Mai 1937 trat Marie G. in die NSDAP ein und erhielt die Mitglieds-Nummer 4.809.599 zugewiesen. Von 1934 – 1939 war sie Mitglied der NS-Frauenschaft und von 1940 – 1944 so­genannte Ortsfrau. Welche Tätigkeit sie genau im Rahmen dieses Amtes ausübte, ist in ihrer Spruchkammer-Akte nicht überliefert, bekannt ist aber, dass Marie G. aufgrund ihrer Tätig­keit als Ortsfrau von August - November 1945 von der Militärregierung inhaftiert wurde. Ihr Verfahren vor der Nürtinger Spruchkammer wurde eingestellt, nachdem Marie G. im Februar 1947 in Esslingen verstorben war .

Quelle: StAL EL 902/17 Bü 3189

6. Marie K. – Frauenschaftsleiterin in Reudern

Mehrmals, so wird in der Spruchkammerakte von Marie K. berichtet, soll sie den Reuderner Ortsgruppenleiter St. um Amtsablösung gebeten haben. Ihrem Wunsch konnte aber nicht ent­sprochen werden, da St. keine andere Person für dieses Amt fand. So kam es, dass es die 71 Jahre alte Witwe als schwere Strafe empfand, als sie von August bis Dezember 1945 in einem Ludwigsburger Internierungslager inhaftiert wurde. Sie fühlte sich schuldlos, hoffte und wünschte sich, sie könne endlich ihren Lebensabend in Ruhe verbringen. Deshalb bat sie im Jahr 1947 im Rahmen ihrer Entnazifizierung die Spruchkammer um eine milde Beurteilung und baldige Amnestierung.

Geboren war Marie K. im Jahr 1876 in Metterzimmern bei Bietigheim. In Reudern lebte die Witwe in der Kirchheimerstraße. Im Februar 1940 trat sie, „auf Werbung von oben“, wie sie nach dem Krieg aussagte, der NSDAP mit der Mitglieds-Nummer 7.441.209 bei. Seit 1935 war sie Mitglied der NS-Frauenschaft und wurde gleich nach ihrer Aufnahme von Ortsgrup­penleiter St. zur Frauenschaftsleiterin in Reudern bestimmt. Dieses Amt habe sie mit dem Be­merken übernommen, „dass es mir später eine jüngere abnehmen müßte, aber es wurde mir nicht mehr abgenommen“, berichtete sie im Rahmen ihrer Spruchkammer-Vernehmung im Sommer 1947.

Tafel im NS-Dokumentationszentrum München, 2018

In Waldsee hatte sie in der NS-Zeit an einem einwöchigen Schulungskurs teilgenommen. Im Winter wurden Heimabende abgehalten, an denen unter anderem für kinderreiche Familien und Soldaten genäht und gestrickt wurde. In Reudern fanden wohl keine eigenen Versamm­lungen statt, zwei Vorträge sollen von auswärtigen Frauen durchgeführt worden sein. „Politik wurde in der Frauenschaft nicht getrieben“, berichtete Marie K. im Rahmen ihrer Anhörung. Sie habe nie jemand geschädigt oder zu etwas gezwungen, ergänzte sie in ihrer Aussage, „im Gegenteil, wo ich helfen konnte, tat ich dies und bin mir deshalb keiner Schuld bewusst. Vor­teile irgendwelcher Art hatte ich durch meine Arbeit nicht. Ich fühle mich schuldlos und bin deshalb ja auch wieder aus der Internierung entlassen worden.“

Am Kriegsende litt Marie K. an einer chronischen Erkrankung. Ihre ältere Tochter, die auf­grund einer schweren Krankheit arbeitsunfähig war, lebte bei der Mutter. Auch ihre jüngere Tochter, deren Ehemann als Soldat im Osten vermisst wurde, wohnte zu dieser Zeit mit im Haus. - Im April 1948 stellte die Spruchkammer das Verfahren von Marie K. aufgrund der Weihnachtsamnestie von 1946 ein, die unter anderem finanziell Schwache begünstigte.


Quelle: StAL EL 902/17 Bü 5563

7. Susi K. – Leiterin der Nähstube

Die Französin, die 1903 in Noyant geboren wurde, kam 1930 nach Nürtingen. Sie war verhei­ratet, Hausfrau und zeitweise wohl als Heimarbeiterin der Strickwarenfabrik Hermann Lorch tätig. Mit ihrem Ehemann Moritz K., einem Studienrat der Oberschule für Jungen, lebte sie in der Lindenstraße (1).

Im Jahr 1934 trat Susi K. der NS-Frauenschaft bei. Von 1939 – 1943 war sie zudem für die „Abteilung Grenze und Ausland“ zuständig, die zur Betreuung von Ausländerinnen geschaf­fen worden war. Bei welcher NS-Organisation diese Abteilung angegliedert war, ist nicht be­kannt. Und Susi K. soll - nach eigener Aussage - auch nur ein einziges Mal für diese Abtei­lung in Anspruch genommen, nämlich dann, als sie nach einer Unterkunft für eine polnische Arbeiterin der Firma Greiner zu suchen hatte. Sie selbst kam seit 1933 weder an die Grenze noch ins Ausland, noch tätigte sie in dieser Zeit Schriftwechsel mit Personen im Ausland (1).

Im Sommer 1940 bestellte die Frauenschafts-Ortsgruppenleiterin Thekla G. Frau K. zur Leite­rin der Nähstube. Für diesen Posten habe sie weder eine offizielle Bestätigung noch eine offi­zielle Dienstbezeichnung erhalten, berichtete Susi K. im Jahr 1947 in ihrer Aussage vor der Nürtinger Spruchkammer. Sie ergänzte: „Die Mitarbeit in der Frauenschaft erfolgte aus sozia­len Beweggründen“. Und auch Bürgermeister Hermann Weilenmann bestätigte ihr in seinem Zeugnis vom Dezember 1946, Susi K. sei ein „stilles, zahlendes Mitglied (gewesen), ohne ak­tive Tätigkeit. Sie ist nicht hervorgetreten". Auch die Nürtinger Spruchkammer fand keinen hinreichenden Verdacht für politische Aktivitäten ihrerseits. Aufgrund der Weihnachtsamnes­tie vom Februar 1947 wurde das Verfahren gegen Susi K. im Januar 1948 eingestellt (1).

In diesem Zusammenhang berichtet Dr. Steffen Seischab im Nürtinger Heimatbuch „Nürtin­gen 1918 – 1950“, auf welche Art ihr Ehemann Moritz K. (1894 - 1965) seinen Schulunter­richt am Nürtinger Gymnasium während der NS-Zeit gestaltet haben soll:

Er las unter den Nationalsozialisten genauso Caesars ,Gallischen Krieg’ wie Generationen von Lehrern davor und danach, mochten in der Welt draußen der Führer Hetzreden halten oder Regime-Gegner eingesperrt werden, Juden verfolgt werden oder Bomben fallen, zuerst war Latein zu lernen und Caesar zu übersetzen. K. ist der Typus des Fachlehrers, der politi­sche Tagesereignisse aus seinem Unterricht weitgehend auszuklammern und sich so eine ma­ximale geistige und pädagogische Freiheit zu bewahren suchte. Zumindest hat er dieses Bild von sich in seinen Berichten gezeichnet“ (2 S.265)


Quellen:

1. StAL EL 902/17 Bü 5032

2. Hrsg. R. Tietzen, Nürtingen 1918 – 1950, Verlag Sindlinger-Burchartz, Nürtingen/ Frickenhausen, 2011, ISBN 978-3-928812-58-0


8. Julie M. – Frauenschafts-Zellenleiterin

Sie organisierte Sammlungen, sie betreute Soldaten und arme Nürtinger, sie holte zwei Fremdarbeiter aus dem Lager und besorgte ihnen Zimmer und Kleidung. Sie half, wo sie konnte - und das schon vor der Zeit des Nationalsozialismus. Helfen sei für sie eine Genugtu­ung, eine menschliche Angelegenheit, berichtete Julie M. im Jahr 1947 in ihrer Aussage vor der Nürtinger Spruchkammer. Sie habe geholfen, weil sie sah, dass es nötig war. Eigentlich habe sie immer gearbeitet: Sie führte dem Vater den Haushalt, dem Sohn das Geschäft, sie reinigte die Stadthalle, als andere zu den Einladungen des Kreisstabs gingen. Wer war also die Frau, die nach dem Krieg vor der Spruchkammer aussagte: „Ich habe das gleiche in der Partei und Frauenschaft gemacht, was heute die Helferinnen der Kirche und der Parteien tun“ (1).

Die im Jahr 1895 geborene Hausfrau Julie M. wohnte in der Gasfabrikstraße. Ihr Ehemann Wilhelm wurde seit 1944 in Russland vermisst, den jüngeren ihrer beiden Söhne verlor sie 1945. Im Februar 1940 trat Julie M. in die NSDAP ein und erhielt die Mitglieds-Nummer 7.461.816. Aber schon seit 1934 war sie Mitglied der NS-Frauenschaft (NSF), seit 1936 ge­hörte sie der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) an. Im Jahr 1935 übernahm sie das Amt der Blockhelferin und ab 1937 das Amt der Frauenschafts-Zellenleiterin (1).

Vor der Spruchkammer Nürtingen sagte sie im August 1947 aus, dass sie, nachdem sie die Tätigkeit der Zellenleiterin übernommen hatte, das Amt der Blockhelferin ablegte. Im Grunde soll es sich beim zweiten Amt um dieselbe Tätigkeit gehandelt haben wie vorher: „... sie be­stand auch zuvor im Sammeln und in der Betreuung von ärmeren Leuten. ... Ich besuchte die Frauenabende, die vorwiegend aus Näh- und Flickarbeiten bestanden". Zudem organisierte sie mit einigen Blockfrauen auch Sammlungen für das Winterhilfswerk. Politische Arbeiten habe sie in diesem Rahmen nicht erledigt, berichtete sie weiter vor der Spruchkammer. Sie sei aber von der Frauenschaft aufgefordert worden, der NSDAP beizutreten: „Diesem Ansinnen ka­men alle Frauen nach", ergänzte sie ihre Aussage vor der Kammer. Weiter führte sie aus: „Ich habe an den Nationalsozialismus geglaubt“. Trotzdem sollen all ihre Bindungen zur Partei „durch die einzige Note des Helfens bestimmt" gewesen sein.

Über die Wohlfahrtspflege (2 S. 71)

 Ab 1940 war Julie M. für die Soldatenbetreuung zuständig. Nachdem ihr Vorgänger, Herr K., gestorben war, übernahm sie dessen Tätigkeit ganz. Bei der „Soldatenbetreuung wurde kein Unterschied gemacht ob Soldat oder Offizier, ob Parteimitglied oder nicht. ...“ Die für die Päckchen benötigten Dinge, die zum Beispiel den Soldaten an die Front geschickt wurden, be­kam sie jeweils vom Kassenleiter der Partei (1).

Julie M. führte ihrem Vater, dem Uhrmachermeister Albert K., den Haushalt. Nach eigener Aussage holte sie dort auch die beiden Zwangsarbeiter, einen Franzosen und einen Bulgaren, die im Betrieb des Vaters eingesetzt waren, aus dem Lager heraus und besorgte ihnen ein Zimmer: „Ich kleidete diese und half auch sonst wo ich konnte, dies lag ja auch nicht im Sin­ne der Partei, aber sie waren eine menschliche Angelegenheit. Anderen Ostarbeitern habe ich Kleidung gegeben, weil ich sah, dass es nötig war“ (1).

Im Februar 1948 reihte die Nürtinger Spruchkammer Julie M. „im vereinfachten Verfahren des Gesetzes 104“ als Mitläufer ein. Ob dieses vereinfachte Verfahren zum Beispiel auf der Weihnachts-Amnestie von 1946 mit Begünstigung für finanziell Schwache beruhte, wurde in der Spruchkammerakte von Julie M. nicht speziell aufgeführt (1).

 

Quellen:

1. StAL EL 902/17 Bü 6612

2. Hrsg. Oberste Leitung der NS-Frauenschaft, NS-Frauenbuch, J.F. Lehmanns Verlag, Mün­chen, 1934



9. Gertrud W. - Kassenwalterin

Geboren war die ledige Lehrerin im Jahr 1900 in Hürben bei Heidenheim. Im November 1934 kam sie nach Nürtingen und begann ihren Dienst an der Oberensinger Schule. Im Jahr 1933 trat sie dem Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) bei, der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) im Jahr 1934 und der NS-Frauenschaft (NSF) ein Jahr später. Mitglied der NSDAP wurde sie nicht (1).

Der NSLB wurde im Jahr 1929 mit Sitz in Bayreuth gegründet. Er hatte die Aufgabe, die Er­zieher fachlich zu schulen und sie „auf der Grundlage der nationalsozialistischen Weltan­schauung“ fortzubilden. Zudem war der Lehrerbund an der Neuordnung des Schulwesens be­teiligt (2 S. 608).

 

Nürtinger Tagblatt vom 22. 12. 1939

 

Ihre damalige Mitgliedschaft in der Frauenschaft beschrieb Gertrud W. vor der Nürtinger Spruchkammer im Herbst 1947 als Verpflichtung: Als Lehrerin habe sie sich den „Anordnun­gen der vorgesetzten Ministerialabteilung" verpflichtet gefühlt. Zudem habe sie im Jahr 1937 ungefragt ein Blatt unterschreiben müssen, das ihr eine unbekannte Frau vorgelegt hatte und mit dem sie zur Blockfrau erklärt worden war. Dieses Amt entfiel, als Gertrud W. von Obe­rensingen in die Nürtinger Kernstadt umzog. 1938 erklärte sie sich zur Übernahme des Pos­tens der NSF-Kassenwalterin bereit. Für dieses eine Amt, führte sie vor der Spruchkammer aus, entschied sie sich, weil sie dabei „weltanschaulich und politisch nicht mit meiner inners­ten Überzeugung in Konflikt geriet. ... Im übrigen habe ich Versammlungen so gut wie keine besucht und habe ja gerade aus meiner religiösen Einstellung heraus die an mich herangetra­gene Aufforderung, Mitglied der NSDAP selbst zu werden, abgelehnt. Aus grundsätzlichen Erwägungen heraus habe ich mich nie dazu entschlossen" (1).

Das, was Gertrud W. hier ihre innerste Überzeugung nannte, wird in ihrer Spruchkammerakte präzise beschrieben: Aus einer Pfarrersfamilie stammend, soll sie „ihre christliche Gesinnung fern von jeder aktivistischen Betätigung in der Partei“ gehalten haben. Diesbezüglich habe sie sich „in der Partei ... nicht aktiv beteiligt und ist auch nicht hervorgetreten“. Dekan Theo­dor Dipper unterstrich in seinem Statement für die Spruchkammer von Februar 1946, er be­dauere es „außerordentlich, dass diese so befähigte Lehrerin, die durch ihre Persönlichkeit auf die Kinder einen großen Eindruck gemacht hat, z. Zt. ihren Beruf nicht ausüben kann. Sie wird besonders auch für den Religions-Unterricht dringend benötigt. Und ich kann deshalb nur bitten, sie baldmöglichst wieder zuzulassen“ (1).

Im Januar 1946 wurde Gertrud W. von der Nürtinger Militärregierung ihres Amtes enthoben. Seitdem hielt sie sich oft bei ihren Eltern auf, zeitweilig war sie auch in einer Gärtnerei tätig. Vermutlich aufgrund der Intervention von Pfarrer Dipper konnte das Bezirksschulamt Nürtin­gen die Lehrerin Ende März 1946 wieder in ihrem Beruf einsetzen (1).

Im Dezember 1947 stufte die Nürtinger Spruchkammer unter Vorsitz von Staatsanwalt Ernst Planck die Betroffene als Mitläufer ein, sie hatte einen einmaligen Sühnebetrag von RM 50,- zu entrichten. Die Kammer erkannte den Mut an, mit dem Gertrud W. unter den damaligen Verhältnissen Religionsunterricht erteilt habe. Auch sei sie der Kirche treu geblieben. Planck unterstrich: „Die Notiz, die außerordentlich tüchtige Betroffene sei politisch harmlos, wird den Nagel ... auf den Kopf treffen. Sie scheint den Nazirummel in keiner Weise mitgemacht zu haben, als er sich noch religiös gab und man darf ihr glauben, dass es ihr schwer fiel, zu ei­ner Zeit, als er die Maske abgeworfen hatte. Die Betroffene hat ihre besondere religiöse Ein­stellung zu keiner Zeit verleugnet, sie hat Religions-Unterricht gegeben und hat Bestätigun­gen hierfür von allen Geistlichen beigebracht, mit denen sie Gelegenheit hatte, zusammenzu­arbeiten“. All diese Gründe hatten die Kammer veranlasst, die Bemessung des Sühnebetrags auf die Mindestsumme festzusetzen (1).


Quellen:

1. StAL (Staatsarchiv LB) EL 902/17 Bü 11415

2. Hrsg. W. Benz/ H. Graml/ H. Weiß, Enzyklopädie des Nationalsozialismus, dtv, 1997, ISBN 3-608-91805-1


 

 

Listen der NS-Frauenschafts-Mitglieder

Nürtinger Frauenschaftsleiterinnen

Die Ämter der einzelnen Frauen beziehen sich immer auf die NS-Frauenschaft, (Anm.: OE= Oberensingen)

A., Luise, Jakob-/Kalkoferstraße, Blockfrau seit 1935

B., Paula, Gartenstraße, Blockfrau seit 1936

B., Hilde, Rümelinstraße, Blockfrau seit 1936

B., Hedwig, Gerberstraße, Zellenfrau seit 1940

B., Hermine, Hangweg, Zellenfrau seit 1934

B., Maria, Katharinenstraße, Zellenfrau seit 1937?

B., Rose, Plochingerstraße, Blockfrau seit 1940

D., Marie, Schafstraße, Blockfrau seit 1935

F., Friedl, Alleenstraße, Kindergartenleiterin seit 1938

G., Karoline, Olgastraße, Blockfrau seit 1935

G., Friedl, Mühlstraße, Zellenfrau seit 1934?

G., Emma, Vendelaustraße, Blockfrau seit 1935

G., Elsa, Kapellenstraße, Zellenfrau seit 1935

G., Dr, Gudrun, Neckarstraße, Abteilungsleiterin seit 1934

G., Erika, Metzingerstraße, Blockfrau seit 1934

H., Frida, OE, Unterensingerstraße, Blockleiterin seit 1939

H., Mina, Gerberstraße, Zellenfrau seit 1934

H., Berta, Heimstättenweg, Blockfrau seit 1934

H., Maria, Ersbergstraße, Blockfrau seit 1935

H., Emilie, Alleenstraße, Zellenfrau seit 1934

H., Frida, Eugenstraße, Blockfrau seit 1935

H., Emmy, Zementwerk/ Metzingerstraße, Blockfrau seit 1934

J., Hermine, Karl-Friedrich-Rumppstraße, Blockfrau seit 1939?

K., Marie, Gerberstraße, Blockfrau seit 1934

Lang, ?, Schellingstraße, Blockfrau seit 1935?

L., Else, Kapellenstraße, Zellenfrau seit 1936

L., Rosa, Adolf-Hitlerplatz (heute Schillerplatz), Jugendgruppenleiterin seit 1940

L., Anna, Bismarckstraße, NSV-Stelle (Volkswohlfahrt), Hilfswerk „Mutter und Kind“, seit 1934

L., Berta, Neckarsteige, Blockfrau seit 1936

L., Rösle, OE, Mittl.-Weg, Blockleiterin

M., Anna, OE, Kelterweg, Blockleiterin

M.-K., Marta, Neckarsteige, Blockfrau seit 1941

R., Johanna, Lindenbadstraße, Blockfrau seit 1938

R., Luise, Brunnsteige, Blockfrau seit 1934

R., Helene, Kocherweg, Blockfrau seit 1935

R., Sofie, Alleenstraße, früher Zellenfrau seit 1935

R., Susi, Katharinenstraße, Blockfrau seit 1937

Sch., Alwine, Bismarckstraße, Blockfrau seit 1938

St., Maria, Bahnhofstraße, Blockfrau seit 1934

St., Marta, Ersbergstraße, Zellenfrau seit 1939?

T., Emma, Steinengrabenstraße, Blockfrau seit 1937

W., Gretel, Zementwerk/ Metzingerstraße, Blockfrau seit 1937?

W., Lina, Kirchheimerstraße, Zellenfrau seit 1934

W., Helene, Metzingerstraße, Zellenfrau seit 1940

W., Else, Bismarckstraße, Zellenfrau seit 1934

W., Emilie, Schellingstraße, Zellenfrau seit 1935?

Z., Emma, Eugenstraße, Zellenfrau seit 1935?

Z., Elisabeth, Ersbergstraße, Blockfrau seit 1939?

(Quelle: StAL EL 900/17 Bü 25, Ermittlungsunterlagen)

Nürtinger Tagblatt vom 26. 11. 1938

NS-Frauenschaft Hardt

In Hardt bestand keine eigene Einrichtung der NS-Frauenschaft, ihre Mitgliederinnen gehör­ten zu Oberensingen

 

NS-Frauenschaftsleiterinnen Raidwangen:

Zu ihren Tätigkeiten gehörten: Näh- und Flickarbeiten, Krankenbetreuung sowie Pakete rich­ten für Soldaten. Politisch soll die Frauenschaft, laut Aussage einer Mitgliederin, nicht in Er­scheinung getreten sein.

B., Marie, Hinterestraße, Leiterin von 1936 - 1938

H., Sofie, geboren 1895, Burggartenstraße, Leiterin ein halbes Jahr, dann ausgetreten

M., Erika, geboren 1914, Hauptstraße, Leiterin von 1938 – 1945


NS-Frauenschaft Reudern: Diese Gruppe bestand bis 1936

H., Berta, geboren 1914, Schulstraße, NSF-Kassen-Verwalterin seit 1935


NS-Frauenschaftsleiterinnen Zizishausen

A., Eugenie, geboren 1865, Leiterin von 1933 – 1937

K., Frida, geboren 1900, Leiterin von 1937 – 1940

E., Luise, geboren 1894, Leiterin von 1940 – 1945

 

Blockleiterinnen der Frauenschaft Zizishausen

B., Elsa, geboren 1903 oder 1908

K., Marie, geboren 1893

M., Marie, geboren 1896, Blockfrau bis 1943

Sch., Pauline, geboren 1902

 

Mitgliederinnen der NS-Frauenschaft Neckarhausen

Sch., Maria, geboren 1901

A., Charlotte, geboren 1909

B., Emma, geboren 1908

B., Luise, geboren 1905

E., Lina, geboren 1904

F., Helene, Geburtsjahr unbekannt

G., Amalie, geboren 1897

H., Julie, geboren 1897

H., Julie, geboren 1920

H., Maria, geboren 1923

H., Gertrud, geboren 1921

H., Emilie, geboren 1909

H., Frida, geboren 1917

H., Maria, geboren 1904

H., Amalie, geboren 1901

H., Marta, geboren 1920

K., Martha, geboren 1900

M., Berta, geboren 1896

M., Hilde, geboren 1922

M., Maria, geboren 1902

O., Klara, geboren 1920

R., Anna, geboren 1905

Sch., Frida, geboren 1902

Sch., Karoline, geboren 1898

Sch., Maria, geboren 1908

Sch., Rosa, geboren 1894

St., Charlotte, geboren 1920

St., Frida, geboren 1898

W., Paula, geboren 1902

W., Lina, geboren 1904

W., Irma, geboren 1923

W., Frida, geboren 1908

W, Marta, geboren 1918


(Quelle: StAL ((Staatsarchiv LB)) EL 900/17 Bü 25, Ermittlungsunterlagen)