"Maier war unser aller Vorbild."

„Für mich war er der einzige Held, dem ich in meinem Leben begegnet bin. “ (HAP Grieshaber, 1971)

Leben in Wolfschlugen und Nürtingen.

Eugen Maier wurde am 21. März 1910 in Nürtingen als Sohn eines Strickmeisters geboren. Nach Besuch der Volksschule in Wolfschlugen und einer Ausbildung als Holzbildhauer führte ihn seine Lehr- und Wanderzeit durch Deutschland, Belgien und Luxemburg, auch nach Frankreich, und in die unterschiedlichsten Tätigkeiten. Auch bei Restaurierungsarbeiten an der Kathedrale von Reims arbeitete er mit.

Nach einer Steinmetz-Lehre in Traben-Trarbach besuchte er 1930-1931 die Kunstgewerbeschule in Stuttgart bei Alfred Lörcher. Als mittelloser Student ging er die 18 km zu Fuß und schlief nicht selten im Schlosspark.

1929 wurde er Deutscher Jugendmeister im 400m-Lauf und württembergischer Meister. Auf dem Bücherbord standen u.a. Goethe, Kraus, Barbusse, Rolland, Gorki, Nietzsche sowie Marx und Engels.

 

Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Als Kommunist gehörte Maier zu denen, die sofort nach der Machtübernahme Hitlers 1933 im Konzentrationslager auf dem Heuberg inhaftiert wurden. Auch nach der Entlassung, mit Berufs- und Ausstellungsverbot belegt, druckte er nachts auf freiem Feld von Holzstöcken weiter Flugblätter gegen die Nazis. Jahre der Haft, der Gelegenheitsarbeiten und der Arbeitslosigkeit folgten.

1940 heiratete er Irmgard Bettinger, auch sie eine politisch Verfolgte; 1941 wurde ihr Sohn Hans Jörg geboren.

Zu Beginn des Krieges als „wehrunwürdig“ erklärt, schickte man ihn 1942 als „wehrwürdig“ an die Front. Selbst im berüchtigten Bewährungsbataillon 999 in Russland, später in Griechenland, kämpfte er weiter gegen den Faschismus. Eine französische Ausgabe des Werther, die er als Tagebuch und für Zeichnungen nutzte, half ihm gegen Verzweiflung. Der Verurteilung zu standrechtlichem Erschießen 1944 entkam er durch Flucht zu den griechischen Partisanen. Auf eigene Faust schlug er sich in den Nachkriegswirren über den Balkan durch nach Hause.

 

Nach der „Stunde 0“ begann Eugen Maier mit über 35 Jahren mit dem Aufbau einer eigenen Existenz als Bildhauer in Nürtingen. 1946 wurde seine Tochter Rose geboren. Als Gemeinderat wirkte er bei der Neugestaltung seiner Heimatstadt mit. Auf vielen öffentlichen Plätzen stehen seine Kriegsdenkmäler und Skulpturen. Vor allem seine Eule als Symbol der Weisheit mit dem Satz des Pythagoras vor dem Max-Planck-Gymnasium erinnert an ihn und das Sprichwort „Eulen nach Athen tragen“. Archaisch einfach und mehrdeutig auch seine Flötenspieler-Skulptur vor der Stadthalle, heute auf dem Waldfriedhof.

Die jahrelange Bemühung um Wiedergutmachung erlebte er als zermürbend. Als Mitglied der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes wurde Anfang der fünfziger Jahre seine Wohnung durchsucht. 1969 zog er zurück nach Wolfschlugen. Bis heute schätzt man ihn auch hier, den bescheidenen und integren „Mann mit der Baskenmütze“.

 

Eugen Maier starb am 16. Mai 1976.

 

Künstler und politischer Mensch

„Nicht umsonst waren des Bildhauers literarische Lieblinge die Aufrechten und Tapferen, wozu sich noch die Schelmen und Listigen gesellten wie Haseks „Schwejk“, de Costers „Thyl Ulenspiegel“ und natürlich Cervantes „Don Quijote“.

„Zeit seines Lebens sorgte er sich um das Wohl seiner Mitbürger, kämpfte –vor allem – um eine solidarische Gesellschaft.“

(aus: Hans Jörg Maier, Eugen Maier-Bildhauer, 1992 / Nürtinger Zeitung 1988)

 

Von Iris Raupp nach Texten und Fotos von Hans Jörg Maier und Gesprächen mit Rose Riedl sowie Nachbarn